Geschichte der Stadt Potsdam | Potsdam unter dem Soldatenkönig (1713-1740)

Entdecken Sie hier die Epoche von 1713 bis 1740, als Potsdam unter der Herrschaft des Soldatenkönigs stand und sich zu einem maßgeblichen Garnisonsstandort des preußischen Heeres entwickelte.

Potsdam, der Garnisonsstandort

Friedrich Wilhelm I. - der "Soldatenkönig"
Potsdam Geschichte – Friedrich Wilhelm I. – der „Soldatenkönig“

Während der Regentschaft des Soldatenkönigs Friedrich Wilhelm I. wurde Potsdam zu einem bedeutenden Garnisonsstandort des preußischen Heeres. Seine Vorliebe für militärische Belange führte zu umfassenden Veränderungen in der Stadt. Obwohl er wenig Interesse am Schloss und Lustgarten zeigte, wurden diese dennoch von seinen Entscheidungen beeinflusst. Der Lustgarten wurde in ein Exerzierfeld umgewandelt, und die kostbare Ausstattung des Schlosses wurde verkauft. Die Orangerie fand unter seiner Herrschaft sogar eine neue Funktion als Reitstall.

Auch die Landschaft um Potsdam unterlag einer Transformation. Sümpfe wurden trockengelegt, und ganze Wälder wurden gerodet, um Platz für die Neustadt zu schaffen. Dies ermöglichte die Ansiedlung verschiedener für das Militär relevanter Handwerker. Das Bevölkerungswachstum, einschließlich der Soldaten, erforderte den Bau neuer Wohnquartiere, was zur ersten und zweiten Stadterweiterung führte. In der Altstadt wurden alte Häuser abgerissen, und zweigeschossige Fachwerkhäuser entstanden. Bis 1740 stieg die Einwohnerzahl auf 12.000, wobei jeder dritte Bewohner dem Militär angehörte.

Neben Wohnhäusern entstanden weitere bedeutende Einrichtungen. 1722 wurde die Gewehrfabrik in der heutigen Hoffbauerstraße gegründet, und ein neues Rathaus wurde erbaut. Zur Betreuung unehelicher Soldatenkinder entstand ein Militärwaisenhaus. Mit der Errichtung der Gewehrfabrik entwickelte sich Potsdam neben Spandau zur preußischen Waffenschmiede, und bis 1730 gehörte die Stadt zu den größten Rüstungsbetrieben des Landes.

Weltreligionen in Potsdams Geschichte

In dieser Zeit erlebte Potsdam auch den Bau von drei neuen Kirchen: den Fachwerkbau der ersten Garnisonkirche (1721), die barocke Nikolaikirche (1724) sowie die Heiliggeistkirche (1726/1728). Diese zeugen von einer kulturellen Blüte inmitten des militärischen Fokus. Interessanterweise war Potsdam wohl die einzige preußische Stadt, in der aufgrund des vielfältigen militärischen Völkergemischs fast alle Weltreligionen toleriert wurden.

Mit dem stetigen Wachstum der Stadt wurde die Stadtmauer im Jahr 1732 nach Norden verlegt und entspricht heute dem Verlauf der Hegelallee. Potsdam, reich an Militärpräsenz während der Regentschaft des Soldatenkönigs, war bekannt für seine gefürchteten Streitkräfte. Überraschenderweise jedoch initiierte Friedrich Wilhelm I. bis zu seinem Tod keinen einzigen Krieg, trotz der imposanten Militärmacht, die die Stadt durchzog.

Lesen Sie weiter zur Potsdam Geschichte: Friedrich der Große regiert über Potsdam (1740-1786)